Consuming Germany in the Cold War


The strategy points to a conquest of the population by attrition rather than terror. To use such a valuable material for such a wasteful and obviously nonfunctional purpose in the GDR would have been unthinkable. Messebericht über das Schuhangebot zur Herbstmesse E-Reader für EUR 1,- kaufen.

Artikel-Einzelheiten


SB Wär ich mal besser am vorderen Berg aufgestiegen, da lag ein toller Firn. Dafür hatte ich aber keine Zeit mehr, denn ich hatte ja noch eine Verabredung S eltsam ist es, beinahe frühlingshaft hier, die Schi erzeugen - wie so oft - neugierige Blicke. Alles neu, alles leer! Riesige Rolltreppenphalanxen surren leise auf vier Etagen, doch keine Menschenseele ist hier. Etwas über eine Stunde habe ich, die bizarren Räume für Ablichtungen zu nutzen. Am Ende wird alles noch einmal knapp.

Wie auf dem letzten Bild zu sehen, sind die Schalterräume noch unbesetzt. Der Automat ist typisch für derlei Geräte höchst umständlich zu bedienen - und akzeptiert am Ende meine Karte nicht. Jetzt wird es wirklich langsam knapp. Ich renne zum Zug, hinauf in die Berge nach Arsoli Bin ab Freitag 2 Wochen in Italien unterwegs.. Allerdings Dienst erst ab Montag.

Das WE davor könnt ich. Falls du in den Abruzzen oder im Appenin bist. Also am WE 3. Hab halt kein Auto. Wenn du mich irgendwie mitnehmen kannst Mo, Hi, sehen wir uns morgen? Check mal Arsoli, das läge von mir richtung Imperatore Trincerone: Ok bin im Zug nach Arsoli.

Der Zug ist pünktlich angekommen? Hätte ich von Italien nicht erwartet: War echt leicht anzufahren und zu finden, einfacher als sich irgendwo in Rom zu treffen. Hat so gerade alles reingepasst. Knapp 2 Wochen bin ich ja bereits durch den Gran Sasso Autobahntunnel gefahren und hab auf dem Weg ein nettes Hotel in Assergi gesehen, dass ich mir auch schon im Vorhinein notiert hatte - war es doch entschieden günstiger als die Hotels an der PB Talstation.

Es gibt ja seit Jahren Bemühungen, das Gebiet wieder zu reaktivieren und mit dem Campo Imperatore zu verbinden. Na da hat's nicht mehr genügend Schnee für eine Talabfahrt Leider auch arg unscharf, war schon zu dunkel.

Lang lief die wohl nicht Hier in Mittelitalien bekommt man egtl. Den Trüffelgeschmack hatte ich aber noch Tage später im Mund: Trincerone hatte aber wohl eine geteilte Meinung zum Frühstück Weitere Bilder aus dem stillgelegten Skigebiet Monte Cristo: Campo Imperatore - Monte Piselli, Ganz klar war uns das aber nicht - hätte man die neue PB nicht so bauen können, dass man gleich einen Parkplatz direkt an der Station hätte bauen können?

Nun, just in dem Augenblick, als wir ein paar Fotos gemacht haben, kam die PB-Kabine an, Leute stiegen aus und diskutierten an der Kasse - da war mir sofort klar: Die Skifahrer diskutierten erbost - und es machte nicht den Eindruck, als würden die ihren Skipass zurückerstattet bekommen. Aber wieso sollte man den Skipass auch ersetzen, denn die PB fährt ja, und wenn der Wind nachlässt, werden die SBs ja ganz sicher sofort wieder in Betrieb genommen Wenn der voll ist..

SBs derzeit wegen Wind geschlossen. Trotzdem mit der PB rauffahren? Um mal zu schauen, wie es oben ausschaut? Um mal die PB gefahren zu sein? E infach nur Seilbahnfahren? Unter Umständen kann auch das sehr nett sein und das Gebiet wirkt in der Tat interessant. Aber das wäre dann heute ein ziemlich halber Tag, denn länger als eine Stunde würden wir sicher nicht dort oben bleiben So scheint es naheliegender, eine der anderen interessanten Destinationen aufzusuchen bzw. Schien mir langweilig Prato Selva?

War ich ja schon, war auch nicht so spannend. Die Gebiete in den Abruzzen weiter südlich? Hab ich ja letzte Woche erst abgegrast.

Ja, wollten wir, aber da ist ja auch nur eine 4SB und kaum Abfahrten offen. Und ob da bei dem Wind heute was geht?! Da war ich zwar auch erst vor 2 Wochen.. Da hätte ich absolut nichts dagegen, nochmal vorbei zu schauen. Und die DSB da oben ist verdammt windsicher. Und genügend Schnee lag auch. Und wenn die DSB nicht fährt - egal, dann fahren wir eben abwechselnd die ehemalige Talabfahrt und mit dem Auto wieder rauf: Um 12 Uhr kamen wir an und kauften uns eine Tageskarte um 20,-, die Halbtageskarte gab es erst ab 13 Uhr.

Auf die Idee, erst mal abwechselnd die Talabfahrt zu fahren und dann die Halbtageskarte zu kaufen, kamen wir leider zu spät: Wind gab's fast keinen, Sonnenschein gab's zwischendrin mal recht viel - in Summe also durchaus noch ein gelungener Tag. Viel Fotos hab ich heute natürlich nicht mehr gemacht - hatte ja vor 2 Wochen das fotogenere Wetter. Trinc hat nachgefragt - er hat uns nicht angemotzt, er hat uns nur freundlich darauf aufmerksam gemacht, dass wir unsere Rucksäcke doch unten an der Talstation an die Haken hängen können.

Wie man sich doch täuschen kann Wären wir den ganzen Tag hier gewesen und Wetter und Schnee besser gewesen, wären wir wohl mit dem Förderband gefahren und zur ehemaligen Bergstation der SL aufgestiegen.

Wenn ich da mal nicht den manuellen Fokus perfekt hinbekommen hab. Nur leider ein paar Zehntelsekunden zu spät abgedrückt Erst fuhr Trinc, dann sind wir wieder mit dem Auto rauf und zum Schluss war ich dran und Trinc wartete bereits. Hab mir mit der Talabfahrt etwas Zeit gelassen, denn wenn ich nächstes Mal wieder allein hier sein sollte, werd ich sie ja nicht fahren können. Busverbindung gibt's nämlich leider keine, Schade.

Denn die Talabfahrt ist echt nett und lang, der stillgelegte Teil hier ist fast doppelt so lang wie der noch in Betrieb befindliche obere! Da ist dann der Aufpreis für die HP 20,- eher hoch. Ok, wir waren auch die einzigen Gäste Auf dem Weg zum Hotel sind wir den kleinen Umweg über die Forca Canapine gefahren anstatt den Tunnel zu nehmen und kamen gerade noch zum Sonnenuntergang oben an, wo ich ob der geringen Schneelage in der Hochebene doch erstaunt war.

Schade, da ja dieses Wochenende ziemlich Vollmond war. Nachdem Trincerone wohl seit Wochen keine Zeit hat, seinen Part zu ergänzen - und ich endlich mal fertig werden will..

Wollte ich durch den Bau der DSB nochmal hin, weil damit der untere Teil, der von dem stillgelegten SL erschlossen wurde, wieder möglich war. Wäre ich ESL halber durchaus nochmal hin, auch wenn der zweite ja inzwischen ersetzt wurde. Hatte aber recht wenig Schnee und kaum was offen. Schneemangels inzwischen ganz zu. Kurzer morgendlicher Check auf der Seite von Frontignano: Wegen Sturm derzeit kein Skibetrieb. Also wird's wohl am Monte Prata nicht viel anders sein, ist das doch einerseits nicht weit daneben und hat den Lift in ähnlicher Himmelsrichtung.

Somit entschieden wir uns für Campo Stella und kamen dort kurz vor Auf dem Weg gab's in Cas"s"anova einen kurzen Fotostopp Oben waren noch alle Abfahrten geöffnet, steinig wars aber schon hier und da. Nach ein paar Abfahrten meinte dann Trinc, wir sollten mal in den Wald fahren. Ich folgte ihm - und war begeistert.

Der Schnee und die Abfahrtsmöglichkeiten waren dort einfach zu cool. Die gebildete Jugend ganz Europas wird davon modisch beeinflusst, Jungs. Auch die Idee des Freitods bringt das Buch ihr nahe. Er verstummt, des Getuschels wegen, das sich gar nicht legen will. Buff, der Name amüsiert uns, die gebildete Jugend, ha! Nein, da ist nichts mehr zu retten, Bruchmann merkt, wieder mal entgleitet ihm die Klasse. Das fällt mir jedoch schwer.

In logischer Folge läuft die Handlung glatt von Abschnitt zu Abschnitt, trotzdem, sie langweilt mich; gewiss fehlt mir noch die Reife. Nur, ein zweiter Anlauf viele Jahre später scheitert ebenso. Sollte mich jemand fragen, was das für eine spezielle Begabung ist, müsste ich ihm die Antwort schuldig bleiben. Er muss lediglich seine Geschichte so spannend erzählen, dass er die Leser fesselt. Er braucht auch seine Mitmenschen nicht unbedingt zu lieben das wäre ein bisschen viel verlangt , aber er muss sich leidenschaftlich interessieren; und er muss Einfühlungsvermögen besitzen, um in ihre Schuhe zu schlüpfen, um wie sie zu denken und zu fühlen.

Das klingt mir höchst plausibel. Und sonderbar, die Stelle ermutigt mich nun, selber zu fabulieren! Zieh alte Socken über die Schuhe, dann rutschst du nicht. Eisblumen am Fenster, 13 Grad minus seit Wochen. Daheim rückt man im kleinsten Zimmer zusammen, die gehetzte Mutter, das kaum dreijährige Brüderchen, der grimmige Hausdrachen, die dralle Gehilfin und ich.

Der Allesbrenner bullert, frisst Fassholz aus dem Farbenkeller, abends wabert Arzneigeruch aus dampfenden Schüsseln. Schott's Frostsalbe lindern den Juckreiz der Frostbeulen. Im Geschäft fehlt es an Grippemitteln, an Hustensaft, an Felleinlegesohlen - wärmen wohl die aus Pappe auch? Bestens, versichert mein Vater, die sind doch elektrisch vorgeheizt!

Zum Unteroffizier bei den Eisenbahnpionieren hat er's gebracht, jetzt auf Weihnachtsurlaub steht er gut gelaunt im Laden, verblüfft Kundschaft, veralbert das Personal und verbreitet Zuversicht. Destillierschlangen, Glaskolben, Reagenzgläser, Bunsenbrenner, noch treibt man das ja auf.

Wer uns abweist, von dem sagt er: Merken und im Frieden nichts mehr kaufen! Auf meinem Geburtstagstisch liegt das Buch des Dr. Abwehr muss sein, doch sind wir so ängstlich, dass es uns misslingt, mehr als ein Quäntchen Nitroglyzerin zu erzeugen. Schwefelwasserstoff aber, das klappt. Bunte Christbaumkugeln füllen wir damit und schleudern sie vom dritten Stock hinab.

Der Effekt ist bestialisch, die Zusammenrottung löst sich auf. Der Klassenlehrer winkt mich, den als Geheimrat enttarnten, in der Pause zu sich. Beklommen fragt er nach Christbaumkerzen aus unserer Drogerie. Nein, mehr für ihn selber! Einer Schauspielerin der Städtischen Bühnen soll ich die bringen, ihrem noch ganz kleinen Kind zuliebe Die Filmkunst verschmäht Bruchmann als Kintopp, es zieht ihn zum Theater.

Von fern verehrt er die zarte Schönheit, der man helfen muss, mit Kerzen. Prompt bringe ich die Gabe der umschwärmten Frau, um meinen Stand beim Lehrer zu verbessern. Das also ist Fausts Gretchen in Zivil. Erwacht in dieser Kindfrau nur auf der Bühne das Weib? Wenngleich dann schwer schockiert vom Geschrei ihres Ferdinand. Dessen Ausbrüche haben mich so geniert, dass ich während der Pause, mit rotem Kopf im Foyer, keinen anzusehen wagte. Und dicht vor mir nun das Ziel solch zügelloser Leidenschaft!

Oh, ich verstehe den Klassenlehrer, teile seinen Helferwunsch. Wie viel Nutzloses wird uns abverlangt! Mit seinem abschüssigen Hof, den ein Kriegerdenkmal schmückt, den verstopften Toiletten, engen Korridoren und tintigen, zerschnitzten Bänken ist es mir wahrlich verhasst.

Der Besuch kostet 20 Mark im Monat, das ist viel Geld, dafür gibt es fast ein Fahrrad, und der Nachhilfeunterricht bei dem Kaffee schlürfenden Fräulein Köhler verschlingt von beidem, Geld wie Freiheit, noch mehr. Den Noten 5 und 6 nämlich folgt die Eintragung ins Klassenbuch, das Benachrichtigen der Eltern sowie der schlimme Satz: Wird von der Anstalt entfernt.

Wir spüren, Janotta muss so drohen, er ist ein träger Mann. Bald nach dem Polenfeldzug kommt er frei vom Wehrdienst, untauglich. Das mag ersponnen sein, rückt aber brutal seine Vertrottelung ins Licht.

Nie geht ihm das Törichte dieser Einführung auf. Sein Mangel an Instinkt lädt dazu ein, ihm auf der Nase herumzutanzen. Da flieht er in Routine, lässt uns Daten des alten Rom - sieben Hügel, acht Brücken, zwölf Theater und so fort - lateinisch herunterleiern, während er am Katheder döst. Ob ihr was lernt oder nicht, mein Jeld krieg ich doch.

Der Lehrkörper wirkt unpolitisch. Püschel und einem jungen Musiklehrer trägt kaum jemand das Parteiabzeichen. Das ist auch kein Stilbruch, da man Kampflieder singt. Anders sein Kollege, der sensible Herr Sterz. Papa Sterz hat ein gutes Herz. Es wird ihm schlecht gedankt, reizt es uns Lümmel doch dazu, im Gedränge vorm Musiksaal so zu schubsen, dass ihm jemand auf die Zehen tritt.

Undenkbar bei Männern wie Dr. Schneidig und autoritär hat er, umweht vom Geist des Patriotismus, die Weichlinge Heinrichs und Janotta abgelöst. Nichts ist ihm tabu, selbst sein Hinken nicht; mehrfach erzählt er uns, wie es einst im Felde zu der Beinverletzung kam.

Er bringt sogar seinen Stahlhelm mit - die Messingspitze schief, an der Wurzel von einer Kugel gestreift, in feldgrauer Tarnhülle. Tatsächlich eine Pickelhaube, Modell ! Als Reliquie wandert der Helm durch die Bankreihen, von uns scheu belächelt und respektvoll bestaunt.

Die Lehrerschaft ist, in Treue fest, so deutschnational wie wir. Püschel trägt das zur Schau, deutlicher als der Rest. Sogar am Mantel steckt ihm das Parteiabzeichen, gleich neben der Leuchtplakette, die nächtlichem Zusammenprallen von Volksgenossen vorbeugt. Auch spornt er uns an, antike Texte zu modernisieren, weil das den Wehrgeist, die Dynamik hebt. Wo es um Kriegshandlungen geht, neigt sein Ausdruck zur Häufung sinngleicher Vokabeln; so was steigert ja die Wucht.

Immer einen Zahn zu viel. Püschel lässt es uns knapper und kraftvoller sagen. All das dient dem Waffengeklirr, der dröhnenden Wertsteigerung des Militärs.

Sein Abfragesystem ist so eisern wie die Marschordnung der Römer. Zwecklos, sich hinter dem Vordermann zu ducken. Es durchläuft die Bankreihen, immer zum nächsten springend. Die Einschläge verschonen keinen, wie an der Front bebt man davor, zumal in Latein. Er liefert holzschnittartige Bilder, oft mündend in die Frage: Und wer war schuld? Man geht kaum fehl, denn wenn das Mittelalter behandelt wird, ist die Antwort: Ist aber die Neuzeit dran, lautet sie korrekt: Püschel ist ein feuriger Erzähler.

Krieg, das ist sein Glanz- und Schwachpunkt zugleich. Sind wir schlecht vorbereitet, so kann ein Satz schon uns die Prüfung ersparen: Kläglich schwach bin ich in Latein, ohne Schummeln gelingt mir nichts. Trotzdem, einmal lobt Dr. Er fragt, was muss der Gallierfürst Vercingetorix tun, um Caesar zu schaden? Der hat sein Doppellager zu beiden Seiten des Flusses, verbunden durch eine Behelfsbrücke seiner Pioniere, ganz professionell platziert und befestigt.

Das entzückt den Studienrat. Jede gewaltsame Lösung begeistert ihn. Es wird die Einzige bleiben in dem Fach, das mich oft verzagen lässt. Mein Vater ist passionierter Fotograf. Hobbyfreunde sammeln sich um ihn. Die Türme von Notre-Dame, geknackte Feindpanzer. Gewalt gegen Menschen wird ausgeblendet; keine Gehenkten. Dafür Vater in der Badehose, wie auf einer Pfadfinderfahrt. Später mehren sich Winterbilder, Rückzug im Schnee mit Panjewagen.

Im unbenutzten Herrenzimmer stehen Bildbände hinter Glas. Mich zieht das Bild einer Gleichaltrigen an, Vorfrühling benannt. Unter kahlem Geäst hebt das Mädchen, die Arme schwärmerisch breitend, knospende Brüste der Sonne entgegen. Freikörperkultur ist verpönt im Dritten Reich, das ficht den Vater nicht an. Was steckt noch hinter der bürgerlichen Maske? Zärtlich küsst er die Mutter auf der Couch, doch mir fällt auch ein schlimmer Vorkriegsstreit ein. Und jetzt stöbere ich noch mehr Zeichen von Verruchtheit auf: Ein expressionistisches Drama, in dem der Vater ein erotisches Verlangen schwärmerisch, ja markerschütternd besingt, und ein Couvert voll höchst delikater Aktfotos.

Ein Triebmensch also, ein Filou. Das Stück erregt mich kaum, durch seinen hochtrabenden Ausdruck bleibt es mir fast unverständlich. Die Mutter war begehrte Heroine, der Vater galt als Schreibtalent. Der Verbindung beider Künste verdanke ich wohl mein Leben.

Die Bilder aber sind mir peinlich, obschon die Feinkostdame darauf fehlt. Schamlos posieren fünf, sechs Frauen aus dem Bekanntenkreis der Eltern, von mir als Patentanten, auch von Radpartien her, geschätzt. Ich neide ihm diesen Mut, an dem es mir stets fehlt im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Sie sind leider nicht so reizvoll wie die Nackten in den Bildbänden. Und so erscheint mir sein Tun als trauriges Zurschaustellen der Tanten, als Verrat am Schönheitssinn.

Längst sind Mädchen, nun Weiber genannt, keine Spielgefährten mehr. Sind sie dabei, stört es oder macht mich befangen. Sie haben sich in alberne Ziegen verwandelt, die Stampfersblumen sammeln und von der Kriegsflotte nichts verstehen. Wie ihre Neugier wecken? Die Unschuld frühen Imponiergehabes ist dahin. Vorbei die Zeit, da schlichtes Spielzeug genügt hat, sich anzunähern. Der Holzroller zum Beispiel. Die weisen mich aus als wichtiges Kind - die Drogerie gehört mir mit. Und zweifelt ein kleines Mädchen das an, lasse ich uns im Laden, ohne zu bezahlen.

Erst nach der Einschulung erwacht Begehrlichkeit in mir, vielleicht dank der Geschlechtertrennung. Die Mädchen sind uns unerreichbar, sie werden zu Geschöpfen einer rätselhaften Welt. Star der Pausen ist die neunjährige Sonja, ein Schneewittchengesicht.

Wenn jemand unberührbar ist, dann sie. Doch jäh bricht einer das Tabu. Der ärgste Rüpel meiner Klasse stürzt sich auf Sonja und greift nach einem Busen, der ihr erst noch wachsen muss Für ihn setzt es Rohrstockhiebe. Heimlich aber billigen wir den Zugriff, wünschen uns für den Moment solcher Wonnen durchaus an seinen Platz. Ich bin verliebt in Sonja. Handgreiflichkeit ist nicht mein Ding, da bleibt nur List. Beim Turnen behaupte ich, im Umkleideraum drei Groschen entdeckt zu haben.

Tatsächlich gehören die mir, sind mein karges Taschengeld. Doch vor uns waren die Mädchen hier, folglich schickt man mich, den ehrlichen Finder, in Sonjas Klasse. Mir klopft das Herz - mein erstes freches Wagnis! Der Wert von sechs Eiswaffeln steht auf dem Spiel. Aber es geht gut. Keine Schülerin ist so gemein, das Geld für sich zu beanspruchen. Weil sich kein Eigentümer meldet, spricht Rektor Hübner als höchste Autorität den Fund mir selber zu. Er lobt mich, und auch Sonja nimmt mich wahr.

Gehe ich an ihrem Haus vorbei, taucht der Schneewittchenkopf manchmal im Fenster des Hochparterre auf, sie ruft mich beim Vornamen. Ein sportliches Missgeschick kündigt die Pubertät an, ohne dass ich fasse, was mir da geschieht. Beim Turnen streift mich das Klettertau im Schritt, bewirkt ein wellenartiges Glücksgefühl. Reine Lust, noch kein Samen, der mich befleckt und blamiert hätte.

Sonst schaffe ich's dreimal hoch am Tau, jetzt hänge ich fest, im Rausch eines rhythmischen Kitzels, dem anfeuernden Zuruf des Lehrers entrückt. Dunkel bleibt der Zusammenhang dieser irren Empfindung mit dem Schielen nach Mädchen. Doch ein Tor zum Reich der Sinne hat sich mir geöffnet, ich hab den unerschöpflichen Urquell sexueller Freuden entdeckt. Im Pausenhof des Gymnasiums. Es betrifft die pubertäre Selbsthilfe, deren Vollzug wir uns erst hämisch vorwerfen, dann verschämt eingestehen.

Einen Schulfreund hat sein älterer Bruder gewarnt, er möge sich hüten. Das klingt glaubhaft, es lässt uns zögern. Man muss kein Mathematiker sein, um zu erschrecken. Simple Schätzung schon ergibt, wer weiter so diesem Laster frönt, der ist mit 35 Jahren fertig, halt ein Greis. Da übt man lieber Selbstbeherrschung. Nur fällt das schwer, wenn erotische Fantasie uns plagt. Deren frühe Frucht sind die Schülerwitze. Sie rücken weg von der Verdauung, zur Fortpflanzung hin.

Und mangels anatomischer Kenntnisse kann ich dem oft nicht folgen. Ganz lustig, doch wieso brüllt die Meute lauthals erst, als ein Student die Frau fragt, ob's auch das Vorderstübchen sein dürfe, und sie erwidert: Nein, da arbeitet mein Mann? Worauf sein Weib atemlos aus der Scheune antwortet: Die Rätsel häufen sich.

Ihre Lösung ruht, dick verhüllt, im Nachtschrank der Mutter. Heikles benennt der Autor, als Ratgeber von Gebildeten, oft lateinisch. Trotzdem erklärt mir sein Text mit all den Schautafeln die Lage und das Zusammenspiel der Zeugungsorgane. Dazu noch, gleichfalls bedenkenswert, das Abweichen der weiblichen von der männlichen Erregungskurve. Letztere steigt steil an, treppenartig, das erlegt uns Zurückhaltung auf, sonst misslingt die Synchronisierung. Ich lerne, wie wichtig ein sorgsames Vorspiel ist, das manch einer noch immer für entbehrlich hält.

Auch sprachliche Feinheiten sind hilfreich. Wer das Buch so verschlingt und sich den Inhalt merkt wie ich, der steht auch ohne erotische Praxis im Freundeskreis als Fachmann da. Von jetzt an rede ich in dieser Sache mit. Kein Witz, und mag er noch so dumm sein, ist mehr an mich verschwendet. Der Dienst im Jungvolk wird bald lästig. Mittwochs und samstags antreten, exerzieren, Altstoffe sammeln oder der übliche Vortrag? Derlei Ausdünstung drückt aufs Gemüt.

Leider nur selten zu erschnuppern. Ich soll mitmachen, das wünschen meine Eltern. Hitler und die seinen, verströmen sie nicht Frische, Gemeinsinn und Sauberkeit?

Wie schlicht der Führer sich doch kleidet, wie gut er spricht! Wirklich, es geht aufwärts. Zwar, den Vater plagt ein Albtraum, den er mir erzählt. Ihm gehört ein ulkiger Kleinwagen, aus Baumrinde, die während der Fahrt Stück für Stück abblättert, bis das Auto ganz zerfällt.

Ich bin gerührt, den Tränen nahe, so greifbar schildert er das. Den blauen Adler Trumpf Junior für 2. Hebt man den Beifahrersitz heraus, hat sogar der Korbkinderwagen des Brüderchens Platz. Während der Opa Zaunpfähle setzt, flechte ich mir abseits eine Hütte und locke die hübscheste meiner drei Cousinen herein. Familienurlaub ist undenkbar, die Konkurrenz schläft nicht. Ein paar Sommer lang verreise ich gleich zweimal, mit dem Vater in die Alpen, mit der Mutter an die See.

Die Rückbank lässt er weg, beide sind wir so lütt, dass uns - den Kopf im Kofferraum - das Auto als Quartier dient, wenn Hotelzimmer zu teuer sind. Der Liter Aral kostet 39 Pfennige, wovon 20 schon Steuer sind. Das steht nach 65 Jahren dort kaum verblasst noch immer an der Wand; nur die Quelle hat der Nachbesitzer, ein Tierarzt, weggekalkt.

Und dann das Zeltlager der Hitlerjugend bei Lüttgenziatz, nach einem Gepäckmarsch von 34 Kilometern in zwei Tagesetappen mühsam erreicht. Da schluchzt mein Freund Fritz, nach Hause will er! Wir trösten uns mit Brausepulver aus der Drogerie, Himbeer- und Waldmeistergeschmack, und halten durch, zwei Wochen lang.

Zäh wie Leder und flink wie Windhunde, so sollen Pimpfe sein. Boxkampf und Raufen bei Geländespielen, das macht mir gar nichts aus. Daheim hängt ja ein Punchingball neben dem Paar dicker Unzen-Handschuhe für mich. Wer nicht kämpft, hat schon verloren - Sprüche aus Marinebüchern. Dies im Kopf, trete ich auch gegen Stärkere an, um mich zu beweisen, gehe lieber knockout, als zu kneifen.

Einen, der sich tapfer schlägt, den müssen sie doch achten? Ein Stück Schneidezahn und das gerade Nasenbein sind kein zu hoher Preis für die Gewissheit, hart wie Kruppstahl zu sein. All das ist vor dem Krieg gewesen, es ändert sich rapide. Jetzt gilt der Soldat mehr als ein Jungvolkführer, und mit der Freiwilligkeit schwindet die Begeisterung. Das Kriegsjugenddienstgesetz stellt ein Verweigern unter Strafe, es droht mit Arrest. In der Hitlerjugend wittert man darin den Hochmut des Oberschülers.

Ich kann mich vor dem Lager drücken. Daraus werden nun Staubbomben! Etwa meinem Bruder beistehe, den sie bis zum Erbrechen füttert. Noch ist der Drache stärker, hat längere Arme. Da springe ich aufs Sofa, und erst von dort winkt mir Erfolg. Die Furie steckt erstmals mehr ein. Im Triumph wende ich mich von ihr ab, da drischt sie mir noch den Topf, aus dem sie Bügelwäsche besprengt hat, ins Kreuz. Greife an, wenn der Feind glaubt, gesiegt zu haben, und dann da, wo er es am wenigsten vermutet Ein letzter Schlag voller Hass.

Hochsommer , Deutschland siegt an allen Fronten, die Hitlerjugend ruft zum Ernteeinsatz. Ein Bonze der Gebietsführung strapaziert den Satz: Und der Kreisleiter Krause, so trinkfroh wie der Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, hält uns im Zeughaus am Domplatz eine Rede. Vor all den Fahnen dort gipfelt sein schriller Appell unfehlbar in dem Krause-Wort, auf das man wartet: Tags darauf vergeht uns das Lachen.

Und ihm Kartoffeln ausbuddeln im Geniesel. Für Magdeburgs HJ-Stab skandalös: Bestürzt nimmt der uns dem Tonne weg. Wir kommen zu einer keifenden Bäuerin. Die hat zwar Strohsäcke fürs Gesinde, ist aber so geizig, dass sie uns morgens mit Milchsuppe abspeist, stets angebrannt, voll toter Fliegen; wie Rosinen schwimmen die darin.

Fiebernd liege ich darnieder, arg verschnupft, Opfer des zum Nebelregen geschönten Wolkenbruchs. Da hinkt der Altbauer herbei, um den fremden Faulpelz aufs Feld zu treiben. Glaubt er mir denn mein Kranksein? Schief grinsend kommt er zurück, er sagt: Ich springe hoch, schnappe mein Zeug, entwische ihm. Das Dorf hat eine Bahnstation, der Nichtsnutz aus der Stadt kann sich noch retten. Er kämpft nicht und verliert den Arbeitslohn. Ein letzter Urlaub an der Nordsee bringt mich mit der Mutter durch das bereits bombardierte Hamburg nach St.

Dort steckt der Bruder im Kinderheim. Die Trennung hat ihn verstört, er freut sich kaum, uns wiederzusehen, bleibt schweigsam. Endlich, mit dünner Stimme: Was spielt ihr denn so im Heim? Der zaghafte Blondkopf rührt mich, ich will ihn von Anfang an beschützen. Dabei bin ich, kommt's mal drauf an, selbst so scheu wie er. Das merkt die schlanke Claudia, die sich mit mir anfreundet im Quartier, der schlichten Unterkunft, wo man das Waschwasser morgens im Eimer hinabträgt und ins Freie schüttet.

Aus purer Langeweile, so mein Argwohn, nimmt die Sechzehnjährige vorlieb mit mir. Oder was ist ihr Motiv? Sie stellt sich ungeschickt, kann den Ball nicht fangen, und der Wind rollt ihn in die Dünen. Keine Badezeit, es herrscht Ebbe. Böen jagen über den gelb gekräuselten Grund des Wattenmeers, die silbrig zitternden Pappeln und den Dünensand.

Das Gras biegt sich, kleine Wirbel tanzen. Unter ziehenden Wolkenschatten liegen wir in einer Mulde, im Salzhauch der See, und sehen den Möwen zu. Mit reglosen Schwingen kippen die weg, segeln ins Unendliche davon. Das Mädchen und der Träumer, ganz ungestört allein. Claudia tut, als sei ihr kalt. Fröstelnd hat sie mich an einen Fleck gelotst, wo uns weder der Wind noch ein fremder Blick erreicht.

Der Ball ist vergessen, wir finden ihn nie wieder. Und nun windet ihr lieblicher Leib sich spielerisch so, dass mein Arm unter ihren Bademantel rutscht. Der gehauchte Satz, was ich denn da vorhab mit ihr, soll mir einreden, ich sei der Verführer und ihr werde es schwer, sich dem kecken Zugriff zu entziehen.

Die Situation ist da, vielfältig durchgespielt in meiner Fantasie, mit all dem Verlangen und der gescheiten Theorie, entnommen dem Lehrbuch Vanderveldes. Aber ich, ein Stück kleiner und zwei Jahre jünger als die Göttin der Lust, ich zaudere, gierig und beschämt zugleich.

Jene Versteifung, mit der nach meinem Kenntnisstand doch zu rechnen war, geniert mich heftig. Zumal mir klar wird, dass Claudia die sofort bemerkt und als ihr Werk begreift. Wo bleibt die innere Stimme, die mir sonst vor jedem Wagnis rät: Und im Nachhall der Vorwurf an mich selbst, das Gefühl der vertanen Chance, schon mal ein ganzer Kerl zu sein.

Das graue Magdeburg mit seinen Radfahrwegen, die durch Grünanlagen und hinab zur Elbe führen! Nie wieder ist die Stadt so voller Geheimnis für mich wie kurz vor ihrer Zerstörung. Per Fahrrad durchstreife ich sie vom Zentrum bis an den Rand. Anfangs von dem schimpflichen Wunsch getrieben, einen Autounfall mitanzusehen. Ich nehme wenig wahr, lebe in den Bildern meiner Fantasie. Die entrollen sich leichter, wenn auch ich mich bewege.

Damit aber niemand den Träumer in mir sieht, trage ich zur Tarnung eine Aktentasche. Man soll glauben, ich sei beschäftigt, in irgendeinem Auftrag unterwegs. Nie kommt mir der Gedanke, dass dies gar keinen kümmert. Andere Viertel wirken wohlhabend, elegant. Mein Sinn für Ökonomisches erwache. Durch die Idee der Volksgemeinschaft. Was aber liegt der wirtschaftlich zugrunde? Chancengleichheit doch wohl kaum.

Zwölf Jahre nach der Geschäftseröffnung hat mein Vater